
Psychische Erkrankungen sind über lange Zeit ein Tabuthema gewesen. Seit einigen Jahren sind die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft aber stark gestiegen, sich mit solchen Erkrankungen gerade auch im Arbeitskontext auseinanderzusetzen. Ein wesentlicher Grund dafür dürften wissenschaftliche Erkenntnisse sein, aus denen deutlich wird, dass das psychische Wohlbefinden von arbeitstätigen Menschen auch durch Merkmale der Arbeitstätigkeit beeinflusst wird. Hier kommt gerade Führungskräften eine bedeutsame Rolle zu.
Zum einen sind sie gefragt, in enger Abstimmung mit ihren Mitarbeitern arbeitsbedingte Risikofaktoren für die Entstehung psychischer Erkrankungen möglichst zu minimieren. Andererseits sollten sie Hinweise auf psychische Erkrankungen bei Mitarbeitern erkennen und sie gegebenenfalls dabei unterstützen, Wege aus einer solchen Erkrankung zu finden. Dabei soll die Führungskraft kein Expertenwissen akquirieren, sondern nur wesentliche Ansatzpunkte kennen, wie auf solche Situationen reagiert werden kann.
iga hat zu diesem Thema zwei Experten des Centrums für Disease Management an der Technischen Universität München eingeladen. Dr. Werner Kissling und Dr. Rosmarie Mendel gaben ihre umfangreichen Erfahrungen aus ihren Schulungen von Führungskräften zum Thema psychische Erkrankungen weiter und diskutierten mit den anwesenden Experten der Unfall- und Krankenversicherung, wie das Thema in den Unternehmen möglichst weitreichend vermittelt werden kann.
Häufigkeit psychischer Erkrankungen
Wissenschaftliche Befunde zeigen, dass jeder dritte Berufstätige mindestens einmal im Leben von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Neuere Studien belegen außerdem, dass diese Erkrankungsformen auch für das Fehlzeitengeschehen eine sehr bedeutsame Rolle spielen. Der Anteil an Fehltagen, der auf psychische Erkrankungen entfällt, ist über das letzte Jahrzehnt um 80 Prozent gestiegen. Liegt eine psychische Erkrankung vor, fällt ein betroffener Arbeitnehmer im Durchschnitt für 33 Tage im Jahr aus.
Diese Zahlen sind nicht nur auf einen realen Anstieg, sondern auch auf verbesserte Diagnoseinstrumente, die zunehmende Enttabuisierung des Themas und die abnehmende Bedeutung körperlich stark belastender Arbeitstätigkeiten zurückzuführen. Sie liefern einen deutlichen Hinweis darauf, dass psychische Erkrankungen in Unternehmen eine bedeutsame Rolle spielen und im betrieblichen Alltag nicht vernachlässigt werden sollten.
Relevante psychische Erkrankungsbilder
Die folgenden Erkrankungen sind für die Unternehmen besonders relevant, weil sie entweder häufig auftreten oder zu so starken Beeinträchtigungen führen, dass die Sicherheit der betroffenen Arbeitnehmer gefährdet sein kann (z. B. bei der Arbeit an Maschinen). Darüber hinaus kann dies auch die Sicherheit der Kollegen am Arbeitsplatz beeinflussen.
Einzelne Symptome dieser Erkrankungen können der Präsentation des Centrums für Disease Management entnommen werden.
Die Ursachen für diese Erkrankungen können vielfältig sein. Genetische Veranlagung, traumatische Erlebnisse sowie private oder arbeitsbedingte Belastungen beeinflussen das Risiko einer Person, eine psychische Erkrankung auszubilden. Diese einzelnen möglichen Ursachen beeinflussen sich häufig gegenseitig, können dabei aber von unterschiedlicher Bedeutung sein.
Bisher gibt es kaum Erkenntnisse dazu, wie häufig dem Aspekt Arbeit eine zentrale Rolle als Erkrankungsursache zukommt. Eine Befragung bei Psychiatern und Psychotherapeuten ergab, dass schätzungsweise 25 Prozent aller psychischen Erkrankungen vor allem auf Faktoren oder Erlebnisse bei der Arbeit zurückzuführen sind. Es sind aber weitere wissenschaftliche Studien nötig, um tatsächlich belastbare Zahlen zu gewinnen. Unabhängig von diesen Zahlen wurde in der Veranstaltung aber deutlich, dass psychische Erkrankungen nicht abgehoben vom Arbeitskontext diskutiert werden können.
Zu Aspekten der Prävention, der Therapie und des Umgangs sowie zur Präsentation
16.-17.03.2012, Dresden
5. Dresdner Kita-Symposium
12.-13.04.2012, Dresden
Die Zukunft der Arbeit: Unternehmen 2.0: Fortschritt oder Fallstrick? Führen und Kommunizieren mit neuen Medien
20..-21. September 2012, Dresden
Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt: Schnittstellen zwischen Arbeitsschutz und Psychotherapie
DGUV-Statistiken zu Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten
Gesundheitsreport der BarmerGEK
OSHA-Studie "Europäische Erhebung unter Unternehmen zu neuen und aufkommenden Risiken"
"Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" Bericht der BAuA
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