Das Seerosen-Modell

Um eine Unternehmenskultur zu beschreiben und analysieren zu können, ist es hilfreich, sich an einem Modell zu orientieren. Über die Disziplingrenzen hinaus haben die Arbeiten von Edgar Schein zur Einordnung des Begriffs „Kultur“ und der dazugehörigen Phänomene Anerkennung und Anwendung gefunden und gelten als wegweisend. Sein 3-Ebenen- bzw. Seerosen-Modell dient als Grundlage für viele weitere Modelle.

Die oberste Ebene des leicht Wahrnehmbaren

Die oberste Ebene ist die der Artefakte. Die Darstellung als die Blüte der Seerose verdeutlicht, dass es sich um das beobachtbare Verhalten bzw. das leicht Wahrnehmbare der Unternehmenskultur handelt, also um Dinge, die gut zu erfassen sind. Alles Sicht-, Hör- und Fühlbare innerhalb einer Gruppe ist darunter zu verstehen. Zu den Artefakten gehören zum Beispiel die Gebäudearchitektur, die Bürogestaltung, Organigramme, die genutzte Sprache/Jargon, die Anrede- und Umgangsformen, der Dresscode, das Betriebsklima, Produkte, Technologien, Prozessbeschreibungen und -abläufe, Mythen und Geschichte der Organisation, Rituale und Zeremonien. 
 

Welche Bedeutung sich dahinter verbirgt, ist allerdings schwer zu erfassen und zu interpretieren. Erst nach einiger Zeit oder intensiver Auseinandersetzung mit der Unternehmenskultur und den anderen Ebenen kann diese hintergründige Bedeutung der Artefakte erkannt werden. Dabei ist zu beachten, dass Wahrnehmungen subjektiv sind: Unterschiedliche Personen können einen beobachteten Sachverhalt unterschiedlich interpretieren. Wer sich nicht an die Artefakte hält, wird schnell als fremd oder neu erkennbar.

Dies ist ein Textauszug – hier geht's direkt zur vollständigen Publikation: 
iga.Report 47 „Unternehmen im Wandel – Unternehmenskultur und New Work“.


Die zweite Ebene: Werte und Normen

Die zweite Ebene ist die der Werte und Normen, die nicht direkt beobachtbar ist und meist unbewusst gelebt wird. Bekannte, aber auch ungeschriebene Regeln und Richtlinien für das Verhalten fallen darunter. Beispiele für Werte und Normen sind unter anderem die internen Qualitätsanforderungen oder das soziale Verhalten in Form von Kooperation und Freundlichkeit. Erst wenn jemand ganz offensichtlich dagegen verstößt, werden sie wieder sichtbar. Gelegentlich kommt es vor, dass Unternehmen bestimmte Werte zwar nach außen postulieren, nach innen aber kaum leben. Es ist möglich, die Werte und Normen zu erheben. Aber auch sie sind wie die Artefakte schwer interpretierbar.

Die tiefste Ebene: der Kern der Unternehmenskultur

Die grundlegenden Überzeugungen stehen für die tiefste und gehaltvollste Ebene, für den Kern der Unternehmenskultur. Bildlich gesprochen sind sie die Wurzeln der Seerose, sie bilden den Ursprung und Anker für die Unternehmenskultur. Die grundlegenden Überzeugungen werden als selbstverständlich angenommen, sind damit unbewusst und steuern das Denken, das Verhalten und die Wahrnehmung. Durch das Unbewusste sind sie schwer erfassbar und veränderbar.

Im kulturellen Eisberg-Modell erweiterte Sackmann (2017) das 3-Ebenen-Modell von Schein um eine vierte Ebene.

Mehr zum Thema:

Dies ist ein Auszug aus dem iga.Report 47 „Unternehmen im Wandel – Unternehmenskultur und New Work“.

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