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Trends

Die Veränderungen in der Arbeitswelt greift iga regelmäßig in eigenen Projekten zu Prävention und Gesundheitsförderung auf. Dabei beschäftigt sich iga zum Beispiel mit der demografischen Entwicklung, dem strukturellen Wandel der Arbeit, den veränderten Arbeitsbedingungen und Anforderungen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten. iga analysiert solche Entwicklungen und Trends sowie neue Forschungsergebnisse zur Arbeitswelt und bereitet sie für die Praxis auf.

2022 führte iga zum Beispiel erneut die Befragungswelle zum iga.Barometer durch. Die Ergebnisse sind als iga.Report 48 erschienen. Ende 2020 führte iga eine zusätzliche Sonderbefragung durch, deren Inhalte immer noch aktuell sind. Hier wurden bewährte Fragen erstmals ergänzt durch neuen Fragen rund um Digitalisierung und mobiles Arbeiten – zum Beispiel zur Führung virtueller Teams. Die Antworten liegen in einer Veröffentlichung „außer der Reihe“ vor.

Weiter erschienen zwei neue Podcast-Folgen zum Thema Nudging. Schon der iga.Expertendialog 2017 und der iga.Report 38 behandelten diesen Ansatz aus der Verhaltensökonomik, der nun im iga.Podcast weiter vertieft wird.

iga.Barometer – eine Beschäftigtenbefragung zur Arbeitssituation in Unternehmen

Im Rahmen des iga.Barometers befragt iga seit 2004 regelmäßig etwa 2.000 Erwerbstätige in Deutschland zu ihrer Arbeitssituation, um Entwicklungen und Trends darzustellen. „Wie würden Sie insgesamt Ihre Arbeit beschreiben – zu langweilig, genau richtig oder zu fordernd?“, „Kümmert sich Ihr Unternehmen um Ihre Gesundheit?“ oder „Wenn Sie die Möglichkeit hätten, würden Sie dann den Beruf, die Branche oder den Arbeitgeber wechseln?“ Die Antworten auf diese und weitere Fragen der repräsentativen Umfrage geben Aufschluss darüber, welchen Stellenwert die Arbeit einnimmt und wie zufrieden Berufstätige mit ihrer Arbeitssituation sind. Die Ergebnisse dieser wiederkehrenden „Sonntagsfragen“ zeigen auch, wie sich Einstellungen und Wahrnehmungen zur Arbeitswelt über längere Zeit verändern können.

Neben den Sonntagsfragen zu Stellenwert und Einschätzung der Arbeit hat jedes iga.Barometer ein Schwerpunktthema. Dieses orientiert sich an aktuellen Trends. In der Befragungswelle 2022 stand das Thema „Mobile Arbeit / Homeoffice“ im Mittelpunkt. Wer ist alles von Digitalisierung betroffen, in welchen Branchen ist mobile Arbeit häufiger vertreten und wie wirkt sich beides auf die Zufriedenheit bei der Arbeit aus? Selbstständigkeit und freiberufliche Tätigkeit bildeten einen weiteren Schwerpunkt. 

Die Befragungsergebnisse zum iga.Barometer werden regelmäßig als iga.Reporte veröffentlicht.

Veröffentlichungen zu Trends in der Arbeitswelt


Aktuelle Trends – neue Forschungsergebnisse zur Arbeitswelt

Unter der Rubrik „Aktuelle Trends“ schaut iga über den eigenen Tellerrand und wirft einen gezielten Blick in die deutsche und internationale Forschungslandschaft zu Gesundheit und Arbeit. Interessante Statistiken und Forschungsergebnisse zu Trends bereiten wir an dieser Stelle für Sie auf.

1. Trendzahl 66: Beschäftigte in gesundheitsorientierten Betrieben erhalten öfter BEM-Angebot

Seit der Einführung des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) vor über 20 Jahren zeigt die aktuelle Auswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 eine positive Entwicklung: Die Verbreitung des BEM ist von 40 Prozent im Jahr 2018 auf 52 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Trotzdem erhält immer noch fast die Hälfte der berechtigten Beschäftigten kein BEM-Angebot. Der Anstieg ist dabei in größeren Betrieben sowie im öffentlichen Dienst und in der Industrie am stärksten.

Die Auswertung zeigt, dass Merkmale einer gesundheitsorientierten Organisation beim BEM-Angebot eine größere Rolle spielen als die Betriebsgröße oder der Wirtschaftszweig. So wird BEM häufiger in Betrieben angeboten, in denen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bekannt waren. Hier erhielten 66 Prozent der potenziell BEM-berechtigten Beschäftigten ein Angebot. Im Vergleich erhielten nur 36 Prozent der Beschäftigten, bei denen dies nicht bekannt war, ein Angebot. Im Jahr 2024 wird das BEM besonders häufig in großen Betrieben angeboten: 66 Prozent der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten und 65 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten bieten ein BEM an. Auch im öffentlichen Dienst (68 Prozent) und in der Industrie (62 Prozent) ist das Angebot höher als in anderen Wirtschaftsbereichen. In kleineren Betrieben bis 49 Beschäftigte bleibt der Anteil bei 40 Prozent. Besonders auffällig ist der Anstieg des BEM-Angebots in mittleren Betrieben (bis 249 Beschäftigte), der von 31 Prozent auf 48 Prozent gestiegen ist.

Die Verbreitung des BEM zeigt insgesamt eine positive Entwicklung, doch kleinere Unternehmen und bestimmte Wirtschaftssektoren hinken noch hinterher. In großen Betrieben und im öffentlichen Sektor sind die Strukturen besser etabliert, aber auch hier ist es wichtig, das BEM kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu leben, um eine nachhaltige Verbesserung der Beschäftigten-Gesundheit zu gewährleisten. Für alle Betriebsgrößen gilt daher, dass eine Priorisierung der Gesundheit von Beschäftigten nicht nur hilfreich für die Einführung, sondern auch für die Durchführung und Qualität des BEM ist. 

Den Originaltext der Studie erhalten Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/BIBB-BAuA-49

Weiterführende Informationen zu BEM bei iga:

Erwerbsarbeit ist ein bedeutsames individuelles und gesellschaftliches Anliegen. Um krankheitsbedingte Arbeitslosigkeit und den Verlust beruflicher Fähigkeiten zu vermeiden, hilft das BEM (Betriebliche Eingliederungsmanagement) und die StW (stufenweise Wiedereingliederung) den Beschäftigten, nach längerer Arbeitsunfähigkeit (AU) bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt sowie bei der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit.

Die durchgeführte Gutenberg-Gesundheitsstudie zeigt, dass 45 Prozent (n= 85) der Befragten ein BEM-Angebot erhielten, was im Vergleich zu anderen Studien hoch ist. Von diesen nahmen 58 Prozent (n=49) das Angebot an, was im unteren Bereich vergleichbarer Quoten liegt. Etwas mehr als jedes fünfte BEM-Verfahren basiert auf der Eigeninitiative der Beschäftigten, was darauf hinweist, dass informierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Rechte aktiv einfordern. Rund zwei von drei BEM-Teilnehmenden nahmen auch an einer stufenweisen Wiedereingliederung (StW) teil. Subjektive Bewertungen der BEM-/StW-Maßnahmen zeigen, dass 75 bis 77 Prozent (n= 72/77) der Teilnehmenden positive Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit wahrnehmen. Diese Werte stimmen mit anderen Studien überein, die ebenfalls von positiven Einschätzungen berichten. Gleichzeitig konnten bei etwa 8 Prozent (n= 36) der BEM-Teilnehmenden und 5 Prozent (n= 61) der StW-Teilnehmenden keine Angaben zu den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gemacht werden, was darauf hindeutet, dass es für viele schwierig ist, den Nutzen der Verfahren konkret zu beurteilen.

Trotz positiver Rückmeldungen gibt es weiterhin Umsetzungsdefizite, insbesondere bei der Bereitstellung und qualitativen Durchführung von BEM- und StW-Verfahren. Die Studie zeigt, dass der Erfolg dieser Verfahren nicht nur von der Option der Teilnahme abhängt, sondern auch von der Unterstützung durch den Arbeitgeber. Künftige Forschungen sollten sich verstärkt auf die wirksame Umsetzung der Verfahren konzentrieren und deren Nutzen für spezifische Zielgruppen genauer untersuchen. Erste und wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass die Verfahren überhaupt und auch bei drohender Beendigung des Arbeitsverhältnisses durchgeführt werden.

Den Originaltext zur Studie finden Sie unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s12592-025-00527-w

Weiterführende Informationen zu BEM bei iga:

Die im Jahr 2021 erhobenen Daten der EWCTS (European Working Conditions Telephone Survey) verdeutlichen die zunehmende Belastung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen durch psychosoziale Risiken. Die Daten zeigen die negativen Auswirkungen, insbesondere nach der Pandemie, auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Besonders hervorzuheben ist die hohe Arbeitsintensität, unregelmäßige oder belastende Arbeitszeiten sowie digitale Risiken wie ständige Erreichbarkeit, die die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinflussen. Vier von zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der EU berichten von hoher Arbeitsintensität, drei von zehn arbeiten regelmäßig zu ungewöhnlichen Zeiten und 41 Prozent erleben eine Beeinträchtigung der Work-Life-Balance.

Die Ausweitung der Telearbeit und die zunehmende Digitalisierung haben neue Risiken mit sich gebracht, insbesondere im Hinblick auf die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben. Gleichzeitig bleiben traditionelle Risiken wie Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz weiterhin bestehen. Diese Risiken können zu psychischen und physischen Gesundheitsproblemen führen, wie etwa Stress, Erschöpfung und Burn-out. Darüber hinaus können die psychosozialen Risiken auch wirtschaftliche Folgen haben, etwa in Form von Produktivitätsverlusten und höheren Sozialausgaben.  

Die negativen Auswirkungen psychosozialer Risiken treten besonders stark bei niedrig- und mittelqualifizierten Beschäftigten auf, wobei Fachkräfte im Gesundheitssektor besonders betroffen sind. Der Bericht zeigt zwar auf, dass auch Ressourcen bei den Arbeitsplätzen vorhanden sind, die die negativen Folgen der Stressoren abmildern können, jedoch reichen diese nicht aus, um Gesundheitsprobleme vollständig zu verhindern. Es müssen weitere präventive Maßnahmen ergriffen werden, um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhindern.

Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen: auf die Mikroebene im Unternehmen, aber auch auf der Makroebene durch EU-weite Standards. Ein stärkerer Fokus auf die Verbesserung der Arbeitsqualität und die Bereitstellung von Ressourcen in den Arbeitsumfeldern kann helfen, diese Risiken zu mildern und die Gesundheit zu fördern. 

Den Originaltext zur Studie finden Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/BIBB-BAuA-51

Weiterführende Informationen zu Work-Life-Balance:

Vergangene Trends

Hier finden sich frühere Trends aus der deutschen und internationalen Forschungslandschaft zu Gesundheit und Arbeit.

Trendzahl 51: Belastung durch Heben am Arbeitsplatz

Die körperlichen Anforderungen in der Arbeitswelt sind in Deutschland zwischen 2006 und 2024 deutlich zurückgegangen. Dies belegen Daten aus den BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen mit jeweils über 17.000 Teilnehmenden.

Beispielsweise sank der Anteil der Beschäftigten, die häufig im Stehen arbeiten, von 57 auf 46 Prozent. Arbeiten mit den Händen, die Geschicklichkeit oder Kraft erfordern, gingen von 42 auf 30 Prozent zurück. Auch das häufige Heben und Tragen schwerer Lasten reduzierte sich zuletzt deutlich von 23 auf 17 Prozent.

51 Prozent der Beschäftigten, die häufig schwer heben müssen, sehen dies 2024 als Belastung – ein Anstieg um 44 Prozent gegenüber 2006. Beim häufigen Stehen bleibt dies mit rund 22 Prozent konstant.

Die körperliche Belastung geht mit einem erhöhten Risiko für Muskel-Skelett-Beschwerden einher: 40 Prozent der Personen, die häufig im Stehen arbeiten, klagen über drei oder mehr Beschwerden, im Vergleich zu nur 19 Prozent bei seltenem Stehen. Noch gravierender zeigt sich der Effekt beim Heben schwerer Lasten: 53 Prozent der häufig Belasteten berichten über drei oder mehr Beschwerden, im Gegensatz zu 24 Prozent bei geringer Belastung.

Diese Ergebnisse unterstreichen den Handlungsbedarf in der Arbeitsgestaltung. Die ergonomische Gestaltung von Steharbeitsplätzen ist ebenso wichtig wie Empfehlungen zu häufigerem Positionswechsel oder Ausgleichsbewegungen. Ergonomische Maßnahmen, wie Tragehilfen oder rückenschonende Techniken, sowie Gefährdungsbeurteilungen sind zentrale Instrumente zur Prävention arbeitsbedingter Beschwerden.

Den Originaltext der Studie erhalten Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/BIBB-BAuA-49

Weiterführende Informationen zu Ressourcen, Belastungen, Zufriedenheit bei der Arbeit:

Die Studie „Gesunde Krankenhaussozialdienste“ der Universität Kassel untersucht die psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen von Mitarbeitenden in Sozialdiensten deutscher Krankenhäuser. Grundlage ist eine Online-Befragung bei Sozialdiensten an 2.503 Krankenhausstandorten.

Krankenhaussozialdienste berichten im Vergleich zu anderen Sozialarbeitenden sowie zu allen anderen Berufsgruppen deutlich höhere quantitative Anforderungen, emotionale Anforderungen sowie Burnout-Symptome. Auch Präsentismus – krank zur Arbeit zu gehen – ist erhöht: 70,1 Prozent der Befragten gaben an, trotz Krankheit im letzten Jahr gearbeitet zu haben. Als zentrale Stressoren wurden Arbeitsverdichtung, Work-Privacy-Konflikte und emotional fordernde Tätigkeiten identifiziert. Fast 43 Prozent der Befragten fühlen sich häufig emotional erschöpft. Die Ergebnisse bestätigen die hohe psychische Belastung und Beanspruchung dieser Berufsgruppe.
 
Trotz vorhandener Angebote zur Gesundheitsförderung nimmt nur etwa ein Drittel der Befragten aktiv daran teil. Über die Hälfte (55 Prozent) zeigt Interesse an Stressbewältigungsangeboten.

Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, psychische Belastungen und Beanspruchungsfolgen im Krankenhaussozialdienst nicht nur zu erkennen, sondern gezielt durch gesundheitsfördernde Maßnahmen zu adressieren, um langfristig die Gesundheit der Fachkräfte zu sichern. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann zudem indirekt die Versorgung der Patientinnen und Patienten beeinflussen, da durch die Gesundheit und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden eine höhere Qualität der Gesundheitsversorgung zu erwarten ist.
 
Den Originaltext zur Studie finden Sie unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s12592-025-00527-w

Weiterführende Informationen zu Präsentismus, Burn-Out, Zufriedenheit bei der Arbeit:

In Deutschland arbeiten Millionen Beschäftigte ganz oder teilweise im Freien. Damit arbeiten sie nicht nur körperlich schwerer als Innenbeschäftigte, sondern sind auch einer Vielzahl von Arbeitsumgebungsbedingen ausgesetzt. Darunter ist insbesondere die UV-Strahlung der Sonne zu nennen.
 
Als Außenbeschäftigte gelten laut Arbeitsmedizinischer Regel (AMR) 13.3 jene, die von April bis September an mindestens 50 Tagen mindestens eine Stunde täglich zwischen 10 und 15 Uhr im Freien arbeiten. Rund 20 Prozent der Erwerbstätigen erfüllen diese Definition.

Etwa 20 Prozent der Außenbeschäftigten gaben in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 an, vom Arbeitgeber ärztliche Hautkrebsvorsorge angeboten bekommen zu haben, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitenden bieten dies häufiger an (28 Prozent) als kleinere Betriebe (18 Prozent). 73 Prozent nutzen das Angebot, unabhängig vom Geschlecht, jedoch mit höherer Teilnahme ab 45 Jahren.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Angebote zur Hautkrebsvorsorge noch nicht hinreichend weit verbreitet sind, der überwiegende Teil ein bestehendes Angebot jedoch wahrnimmt. Angesichts der weiterhin hohen Berufskrankheiten durch UV-Strahlung sind Prävention und regelmäßige Untersuchungen und Unterweisungen unumgänglich.  

Den Originaltext zur Studie finden Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/BIBB-BAuA-51

Weiterführende Informationen zu Umwelt, Nachhaltigkeit und Gesundheit:

Trendzahl 47: Die Hälfte der Arbeitskräfte in der häuslichen Betreuung arbeitet krank.

Ein gesundes Leben für alle: Häusliche Betreuungskräfte leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie Pflegebedürftige im eigenen Zuhause unterstützen.

Eine Online-Befragung von 429 Betreuungskräften aus Polen, Bulgarien, Rumänien und Kroatien liefert Einblicke in ihre Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Wo möglich, wurden die Daten zur Arbeit in der häuslichen Betreuung mit geeigneten Referenzgruppen (bspw. Altenpflegenden) verglichen.

Die Ergebnisse zeigen: Betreuungskräfte berichten häufiger von Burn-out-Symptomen als Altenpfleger und Altenpflegerinnen. 36 Prozent fühlen sich oft oder immer körperlich erschöpft, 49 Prozent sind oft oder immer emotional erschöpft. Auch bei der Ausprägung von Präsentismus liegt der Mittelwert in der Gruppe der Betreuungskräfte deutlich höher als in der Vergleichsgruppe. Knapp die Hälfte, also 47 Prozent der Betreuungskräfte gibt an, dass sie oft oder immer die Arbeit aufnimmt, obwohl sie sich krank und unwohl fühlt.

Häusliche Betreuungskräfte sind im Durchschnitt deutlich weniger zufrieden als Beschäftigte in der Altenpflege. Besonders unzufrieden sind sie mit Lohn und Gehalt (nur 20 % zufrieden) und ihren körperlichen Arbeitsbedingungen (nur 37 % zufrieden). Jede fünfte Betreuungskraft denkt über einen Berufswechsel nach.

Die Befragungsergebnisse zur Gesundheit häuslicher Betreuungskräfte zeigen dringenden Handlungsbedarf: Sie belegen, dass Pflegekräfte in der häuslichen Betreuung im Mittel stärker von Burn-out-Symptomen betroffen sind und häufiger krank die Arbeit aufnehmen, als dies in den Vergleichsgruppen der Fall ist. Sie sind zudem schlecht entlohnt. Angesichts von 300.000 bis 600.000 Betreuungskräften in Deutschland sind bessere Arbeitsbedingungen essenziell – sowohl für deren Wohlbefinden als auch für die Qualität der Versorgung.

Den Originaltext der Studie erhalten Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/Haeusliche-Betreuung-3

Weiterführende Informationen zu Präsentismus, Burn-Out, Zufriedenheit bei der Arbeit:

Durch moderne Technologien und die Coronapandemie hat sich das ortsunabhängige Arbeiten stark verbreitet. Vor 2020 arbeiteten nur 16 Prozent mit betrieblicher Vereinbarung von zu Hause aus, bis 2021 stieg der Anteil auf 32 Prozent.

Laut der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023, bei der 11.000 Personen in Interviews befragt wurden, nutzen Frauen häufiger das Homeoffice als Männer. Ebenso arbeiten Beschäftigte mit Kindern häufiger von zu Hause im Vergleich zu Beschäftigten ohne Kinder. Die gewünschte Arbeitszeit im Homeoffice variiert: 25 Prozent möchten maximal einen Tag von zu Hause arbeiten, 31 Prozent bevorzugen zwei oder mehr Tage, 15 Prozent sogar vier oder mehr Tage pro Woche.

Beschäftigte mit Homeoffice-Vereinbarung berichten häufiger von einem guten oder sehr guten Gesundheitszustand (72 Prozent) als diejenigen ohne Homeoffice (62 Prozent). Wer ausschließlich im Büro arbeitet, fühlt sich vor Arbeitsbeginn oft erholter (56 Prozent) und kann besser abschalten (52 Prozent). Gleichzeitig erleben Beschäftigte mit geringer Homeoffice-Nutzung mehr Termin- und Leistungsdruck sowie häufigere Arbeitsunterbrechungen.

Das Homeoffice ist fest in der Arbeitswelt verankert, und der Wunsch nach flexiblen Modellen wächst weiter. Die Vielfalt an Modellen der Arbeit von zu Hause ist groß. Die Ergebnisse zeigen, dass Beschäftigte vor allem dann von den Vorteilen profitieren, wenn es dazu eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber gibt und die Beschäftigten Einfluss nehmen können. 

Die größte Zufriedenheit zeigt sich, wenn Beschäftigte selbst über ihre Homeoffice-Tage entscheiden können. Dies führt zu einer geringeren Arbeitsintensität und mehr Handlungsspielraum. Die Beschäftigten berichten nicht nur über bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Arbeitszufriedenheit, sondern auch über ein höheres Wohlbefinden. 

Den vollständigen Text finden Sie hier: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Aufsaetze/artikel3998

Weiterführende Informationen zu mobiler Arbeit, Homeoffice und New Work:

In Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels ist es entscheidend, die Arbeitsbedingungen und Bedürfnisse der Beschäftigten stärker zu berücksichtigen, um gesundheitlich nachhaltige Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Doch wie empfinden Erwerbstätige ihre beruflichen Belastungen? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen dem Empfinden der Arbeitsmerkmale und deren Wichtigkeit?

Als Datengrundlage diente eine Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung in der deutschsprachigen Bevölkerung. Für die Auswertung wurden die Antworten von 3044 Erwerbstätigen zwischen 18 und 67 Jahren betrachtet. Die Ergebnisse zeigen: Die weiblichen Befragten sind vor allem in den Dienstleistungs- und soziokulturellen Bereichen tätig, in letzteren insbesondere Mütter. Die männlichen Befragten sind überwiegend in der Produktion und im technischen Bereich tätig.

Die Mehrheit der Befragten empfindet ihre Arbeitsbelastung als moderat. Dennoch empfinden 33 Prozent eine höhere Arbeitsbelastung durch Zeitdruck. 26 Prozent geben an, dass die mentalen Belastungsgrenzen erreicht werden. Bei körperlichen Belastungsgrenzen sind dies 23 Prozent. Die Ergebnisse zeigen, dass die hohen Arbeitsbelastungen vor allem bei Frauen vorzufinden sind. Insbesondere Frauen ohne Kinder erreichen ihre körperliche Belastungsgrenze häufiger. 

Ein sicherer Arbeitsplatz ist für Männer und kinderlose Frauen am wichtigsten. Väter legen zudem Wert auf ein festes Einkommen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, während Mütter flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders schätzen. 

73 Prozent stufen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtiges Arbeitsmerkmal ein. Damit wird deutlich: Soll eine höhere Erwerbsbeteiligung von Müttern erreicht werden, sollten vor allem die Rahmenbedingungen der Erwerbstätigkeit angepasst werden.

Den vollständigen Bericht finden Sie unter: https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21411-20240911.pdf

Weiterführende Informationen:

Trendzahl 60: Langes Sitzen im Job und die Folgen

Bewegungsmangel, wie langes Sitzen, kann die Gesundheit negativ beeinflussen und zu Muskel-Skelett-Beschwerden führen. Von 2.082 Teilnehmenden einer aktuellen Studie verbrachten über 60 Prozent mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Sitzen. Die Studie untersuchte, wie lange Arbeitszeiten im Sitzen mit Beschwerden im Nacken, den Schultern, dem oberen und unteren Rücken zusammenhängen. Darüber hinaus wurde untersucht, ob Freizeit, körperliche Aktivität und Geschlecht den Zusammenhang zwischen beruflichem Sitzen und Muskel-Skelett-Beschwerden verändern.

Um diese Fragen zu beantworten, wurde eine prospektive 5-Jahres-Studie in Deutschland verwendet. Mit dem Nordic Musculoskeletal Questionnaire wurde die Ein-Jahres-Prävalenz von Muskel-Skelett-Beschwerden im Nacken, in der Schulter, im oberen Rücken (Brustwirbelsäule) und im unteren Rücken erfasst. Zusätzlich zu den unbereinigten Modellen wurden die Modelle um die Daten Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, psychische Störungen, Lebensstilfaktoren (Raucherstatus und körperliche Aktivität in der Freizeit) sowie bei Studienbeginn berichtete Vorerkrankungen des Bewegungsapparats bereinigt.

Es zeigte sich, dass langes Sitzen nicht immer mit Beschwerden im Oberkörper verbunden war. Unterschiede im Zusammenhang zwischen beruflichem Sitzen und Muskel-Skelett-Beschwerden hingen jedoch von der Intensität der körperlichen Betätigung in der Freizeit ab. Personen ohne körperliche Freizeitaktivitäten hatten häufiger Beschwerden im Nacken und in den Schultern, wenn sie 25 bis 35 Stunden pro Woche im Sitzen arbeiteten. Bei der getrennten Analyse der Daten für Männer und Frauen wurden keine eindeutigen Unterschiede festgestellt. Männer hatten aber mit einer geschätzten wöchentlichen beruflichen Sitzdauer von 25 bis 35 Stunden/Woche eine erhöhte Prävalenz von Nackenbeschwerden, die bei Frauen nicht beobachtet werden konnte.

Den Originaltext der Studie (englisch) erhalten Sie hier: https://occup-med.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12995-024-00408-7

Mehr zum Gesundheitsfaktor Bewegung bei iga:

Gesundheitsorientierte Führung ist eine wichtige Ressource am Arbeitsplatz. Eine Studie aus 2023 untersuchte die Wirksamkeit dieser Führung in digitalen Arbeitsumgebungen im Vergleich zur Arbeit vor Ort. 

In einem Laborexperiment mit 60 Teilnehmenden wurde getestet, ob der Arbeitskontext die Effektivität der Mitarbeiterbetreuung beeinflusst (N = 60 Personen, wobei 75 % zwischen 18 und 25 Jahre alt war). Insbesondere untersuchte die Forschungsgruppe den Effekt des Arbeitskontextes auf den Zusammenhang zwischen Mitarbeiterbetreuung und psychischer Erschöpfung, Engagement sowie Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen auf das Engagement und die Arbeitszufriedenheit in digitalen Arbeitsumgebungen schwächer sind als bei der Arbeit vor Ort. Demzufolge werden die positiven Auswirkungen der gesundheitsförderlichen Führung auf das Engagement und die Arbeitszufriedenheit in digitalen Arbeitsumgebungen abgeschwächt. Somit ist ein gesundheitsförderlicher Führungsstil weniger wirksam für das Engagement und die Arbeitszufriedenheit, wenn Führungskräfte und Mitarbeitenden nur per Videokonferenz kommunizieren. Die Studie ergab auch, dass die Betreuung durch die Führungskräfte vor Ort die körperliche und geistige Erschöpfung der Mitarbeitenden verringert und deren Engagement und Arbeitszufriedenheit fördert. Allerdings ist die Mitarbeiterbetreuung in digitalen Arbeitsumgebungen ebenso wirksam für die Gesundheit (d. h. die Erschöpfung) wie bei der Arbeit vor Ort.

Obwohl die Auswirkungen eines gesundheitsförderlichen Führungsstils auf die körperliche Gesundheit der Mitarbeitenden nicht signifikant waren, unterstützen die Ergebnisse die Theorie, dass diese Führung die subjektive und objektive Gesundheit im Team fördert. Regelmäßiger persönlicher Kontakt zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden ist wichtig, um die volle Wirksamkeit dieses Führungsstils aufrechtzuerhalten.

Die Studie in Englisch können Sie hier herunterladen: https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-023-15798-2

Mehr zu digitaler Führung und Teamarbeit bei iga:

Die Forschung zeigt, dass sich ein gesundheitsorientierter Führungsstil positiv auf die Gesundheit der Mitarbeitenden auswirkt. Eine neue Studie befragte 582 Führungskräfte, um den Zusammenhang zwischen Störungen bei Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), der Fürsorge für Mitarbeitende, durch IKT-Probleme entstehende Irritationen sowie den Einfluss der Selbstfürsorge zu untersuchen. Es wurde auch untersucht, welche Risiken IKT für Führungskräfte birgt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Führungskräfte mit mehr Unterbrechungen durch IKT stärker irritiert sind, was wiederum mit einer geringeren Fürsorge für die Mitarbeitenden verbunden ist. Der negative Zusammenhang zwischen Irritation und Fürsorge war bei gesundheitsorientierten Führungskräften stärker ausgeprägt. So kümmern sich Führungskräfte, die auf ihre eigene Gesundheit achten, in stressigen Situationen eher um sich selbst als um ihre Mitarbeitenden.

Die Ergebnisse liefern den ersten Beweis dafür, dass IKT-Belastungen negativ mit der Betreuung der Mitarbeitenden zusammenhängen. Darüber hinaus war der positive Zusammenhang zwischen IKT-Problemen und der Irritation bei Führungskräften mit hoher Selbstfürsorge stärker ausgeprägt. 

Die gesamte Studie auf Englisch finden Sie hier: https://iaap-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/apps.12530

Mehr zu Digitalisierung und gesundheitsorientierter Führung bei iga: